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4 Fotos «EINDRINGLINGE» wurden von der Jurie der photo schweiz 2025 in Zürich ausgewählt. 

 

VOLUME Kunstraum | Lorrainestrasse 14 | CH-3013 Bern | [email protected] | www.volume-kunstraum.ch

Ausstellung August 2024

Text der Galeristin «Diana Dodson zu meiner Ausstellung von letztem Herbst:

Der Fotograf Hans Hofmann (Bern) thematisiert in seinen Werken den Menschen in unter- schiedlichen Wirkungsfeldern - Natur, Kultur, Architektur, Industrie, Arbeit, Stadt und Land. Dabei findet Hofmann neben kraftvollen Naturdarstellungen auch Metaphern für den zerstö- rerischen Umgang des Menschen mit den eigenen Lebensgrundlagen. So stehen menschen- leere archaische Urwälder neben mutierten, vonTechnik annektierten Landschaften.

Die Faszination für Technik ist bei Hofmann ebenso spürbar wie die Achtung vor der Natur. Der Fotograf sucht entlegene und unverfälschte Orte auf, um uns in den Werkserien wie die knorrigen «Süntelbuchen», der lichtdurchflutete Nebelurwald von «La Gomera», die klirrende «Antarktis» oder die verlassenen «Schürli» von der Kraft und Schönheit,

vom Werden und Vergehen zu erzählen.

Hofmann versteht es, mit dem Licht zu malen - er nuanciert mit einer breitgefächerten Palet- te von hell-dunkelTonwerten, so dass ein zusätzliches Kolorit für ihn offensichtlich überflüs- sig wird. Mit subtiler Lichtführung, prägnanten Formen und differenzierten Strukturen lässt Hofmann spannungsvolle Bildräume entstehen, welche zeitlos und entrückt erscheinen.

In der Serie der "Eindringlinge" tauchen in den ursprünglichen Landschaften Relikte des Industriezeitalters auf. Turbinen, Walzen und Pumpen singen eine Ode an die skulpturale Ästhetik der Maschinen von gestern und verweisen gleichzeitig auf eine phantastische oder postapokalyptische Welt von morgen. Diese Fotocollagen werden vorerst analog mit Schere und Leim vorskizziert, dann mit Hilfe von künstlicher Intelligenz digital montiert - daraus schafft Hofmann surreale und ambivalente Situationen von verblüffender Echtheit.

Seine Beharrlichkeit führte Hans Hofmann zu mehreren Langzeitprojekten. Zwischen 2017 und 2019 begleitete er neugierig den Sport des Hornussens, wo er fernab von Klischees ein dynamisches und differenziertes Portrait der Spieler und Spielerinnen schuf.
Als Hofmann von der Stilllegung der Papierfabrik Utzensdorf erfuhr, war er innert kurzer Zeit vor Ort und konnte während drei Jahren den Weg von der letzten Inbetriebnahme der Fabrik bis zur leerstehenden Brache dokumentieren. Auch den Abbruch der 1948 gebauten Festhalle in Bern verfolgte er akribisch - markante Sujets, welche Hans Hofmann mit künstlerischem Blick in zum Teil anspruchsvollen Verhältnissen fokussierte.

Mit vorurteilsfreiem Staunen und respektvoller Begegnung gepaart mit der Leidenschaft des Fotografierens entlockt Hans Hofmann seiner „Leica M Monochrom“ ästhetische, poetische und authentische schwarz-weiss Fotografien. Seine Werke oszillieren zwischen Dokumenta- tion und Fiktion, zwischen stillen und lauten Gesten, zwischen Urkraft und Vergänglichkeit, zwischen gestern, heute und morgen.

VOLUME Kunstraum | Lorrainestrasse 14 | CH-3013 Bern | [email protected] | www.volume-kunstraum.ch

 

 

 

Bundbericht Abbruch Festhalle nach einem Jahr.

Ergreifende Fotos vom Abbruch der alten Festhalle schoss der Berner Fotograf Hans Hofmann genau vor einem Jahr. Eine schnörkellose Fotoreportage. Hier geht's zum Bericht

 

Ein Ort verschwindet

«Als ich anfangs 2018 erfuhr, dass die Papierfabrik Utzenstorf abgestellt wurde, war mir sofort klar, dass ich die stillgelegten, noch funktionsfähigen Maschinen und Fabrikgebäude auf Bildern festhalten will.»

Für den leidenschaftlichen Leica-Fotografen begann ein Dreijahresprojekt, welches den Rückbau der gesamten Fabrikanlage mit einschloss . Hans Hofmann erinnert sich an den ersten Rundgang und die Äusserung eines Ingenieurs, der unter Tränen sagte, dass doch alles noch einwandfrei funktionieren würde. 

Während drei Jahren hat Hans Hofmann in den Gebäuden fotografiert. Aus über 7’000 Aufnahmen wurden 237 ausgewählt, welche nun im Buch «EIN ORT VERTSCHWINDET, Papierfabrik Utzenstorf» auf 240 Seiten zu sehen sind.

In kurzen Texten werden Hintergründe rund um die Papierfabrik beschrieben.

Entstanden ist ein Buch mit Bildern der Zerstörung. Allerdings sind es spezielle, teils poetische Bilder der Zerstörung, wenn beispielsweise die Staubwolke eines einstürzenden Gebäudes alles wie in Nebel taucht.

Zu Beginn seiner Mission hielten ihn die Arbeiter:innen noch für einen Boulevardfotografen. Doch die Skepsis verflog rasch und es entstand ein vertrautes, freundschaftliches Verhältnis. Spätestens, als jeder Arbeiter ein Bild von sich bestaunen konnte, war das Eis gebrochen.

Nach einiger Zeit kannte er die meisten Arbeiter und die Beziehung wurde kollegial. Das Resultat war, dass er kaum mehr beachtet wurde . Deshalb konnte er mit der Kamera näher an die Menschen ran. So entstanden entspannte, aber dynamische Bilder der hart arbeitenden Männer.

Das Buch kann [email protected] für 55 CHF bestellt werden.

Leica-Camera Blog zu «Ein Ort verschwindet» :

 

https://leica-camera.blog/de-ch/2022/09/20/ein-ort-verschwindet/


 

 

Hornussen

Hornussen, alter Brauch, moderner Sport

Buch bestellen unter [email protected]

Preis: CHF 20.-

Text zur Eröffnung der Ausstellung von B. Giger

 

 

Eröffnung Hornussen heute, 16. Oktober 2019

Begrüssung

Seit sieben Jahren selbständig, steht in seinem Lebenslauf. Er könnte auch schreiben: Seit sieben Jahren pensioniert. Doch genau das ist er eben nicht. Mit 62 ist Hans Hofmann nicht in Pension gegangen, mit 62 wurde er freischaffender Fotograf. Er hat schon vorher fotografiert, als er noch Lehrer und Dozent an der PH war, aber vor sieben Jahren hat er die Leidenschaft zum Beruf gemacht. Das ist das eine, das mir gefallen hat, als er zum ersten Mal ins Kornhausforum gekommen ist, um seine Bilder vom Hornussen zu zeigen. Dass einer sich mit über 60 entscheidet, in ein Metier einzusteigen, das nun wirklich kein einfaches ist, mit der grossen Tradition im Hintergrund und einem durch die Digitalisierung komplett veränderten Umfeld. Oder, ganz direkt: Dass dieser Hans Hofmann meint, er sein nun Fotograf, er habe etwas zu zeigen, was wir so vielleicht noch nicht gesehen haben, und alles erst noch in Schwarz-weiss. Also gerade bescheiden ist das nicht, bei der Bilderflut heute und, auf der professionellen Ebene, angesichts der breiten Konkurrenz. Aber Hans Hofmann hat diesen Anspruch. Er hausiert nicht damit, das ist nicht seine Art. Er ist ja keiner, der sich aufdrängt, er ist auch nicht laut, eher ein Leiser. Doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Das ist das zweite, das mir gefallen hat: Eine sanfte Hartnäckigkeit, könnte man es nennen. Denn wenn Hans Hofmann eine Idee im Kopf hat, lässt er nicht mehr locker. Sei das bei der Recherche nach dem richtigen Bild, wo er in den letzten Jahren oft, wenn er nicht auf den Spiel- und Festplätzen der Hornusser war, allein durch einsame Landschaften gezogen ist, oder sei das in der Umsetzung, in der Realisation eines Projekts. So ist auch das Hornusser-Projekt zustande gekommen. Er wollte eine Ausstellung und er wollte ein Buch - er hat beides bekommen. Ich bin vermutlich fast etwas nervig geworden, als ich ihn im Gespräch, das wir für den Text zum Buch geführt haben, nach den Beweggründen fragte, die Hornusser überhaupt zum Thema zu machen. Ich habe mehrmals nachgebohrt, aber er hatte, genaugenommen, dazu eigentlich nichts zu sagen. Keine kulturelle Überhöhung, keine politische Deutung oder Umdeutung, ausser ein paar schönen Erinnerungen an das «Tappere» in den Sommerferien als Kind auf dem Bauernhof in Wasen auch keine persönlichen Beziehungen. Nicht ein, grosser, ehrgeiziger Entwurf, eine kleine, flüchtige Begebenheit stand am Anfang: Auf einer Zugsfahrt nach Solothurn hat er draussen auf dem Feld Männer spielen sehen. Dort hat es ihn gepackt. Er nahm, fast wörtlich, noch am gleichen Abend Kontakt auf mit dem Schweizerischen Hornusser Verband, und nicht viel später auf den Plätzen und unter den Spielern und Spielerinnen gelernt. Ihrer Welt hat er sich ganz hingegeben, mit Neugier und fast ein wenig naiv, wie er selber sagt. So arbeitet er, nicht nur bei den Hornussern, sondern auch zwischen den Süntelbuchen in Frankreich, diesen knorrigen Kerlen, denen das Wachsen so viel Mühe zu bereiten scheint. Hans Hofmann hat sich bei ihnen am Schluss bedankt dafür, dass er sie fotografieren durfte. Das ist es eben, was der Fotograf «fast ein wenig naiv» nennt, dieser unbeschwerte, vielleicht auch unschuldige Blick auf die Dinge. Dieser, man darf es in unserer so problembeladenen Zeit fast nicht laut sagen, dieser positive Blick auf die Welt. Dieser Blick hat auch seine Sicht auf das Hornussen geleitet. So hat er, noch einmal seine Worte, «freundliche, bodenständige Menschen getroffen», unter denen er sich gut fühlte und mit der Zeit vielleicht auch wenig daheim. Er erzählt mit glänzenden Augen von ihnen, und mit grossem Respekt. Seinen Bildern ist das anzumerken: Sie strotzen vor Lebenskraft und sie sind eine Ode an diesen Sport, von dessen Spielern und Spielerinnen Walter Däpp in seinem Buchtext schreibt, dass sie kräftig und schnell sein müssen, aber auch ruhig und zuverlässig. Und dass Dynamik, Geschwindigkeit, Konzentration, Präzision, Beweglichkeit und Explosivität ausschlaggebend seien. Walter Däpp reiht in seinem atmosphärisch dichten Text noch weitere Qualitäten und Talente auf, die fürs Hornussen nötig sind, ich zitiere sie nun nicht alle. Aber eines wird schon so offensichtlich: Das ist Hochleistungssport, was da auf den Spielplätzen abläuft. Mit den Klischees, die die meisten Nicht-Hornusser noch immer teilt, hat das grad gar nichts zu tun. Hans Hofmann hatte sein Thema gefunden. Das genügte ihm. Mehr brauchte er nicht zu wissen. So hat er die ersten Bilder gemacht. So einfach ist das gegangen.

Anfangs des 20. Jahrhunderts wurde der Schweizerische Hornusserverband gegründet, und der brachte Ordnung in den wilden Volksbrauch. Er wandelte sich allmählich zur modernen Sportart mit Meisterschaftsbetrieb in verschiedenen Ligen. Alle drei Jahre gibt es ein Eidgenössisches, Bundesräte - von Rudolf Minger über Rudolf Gnägi bis zu Moritz Leuenberger und Alain Berset - lassen sich dort gern sehen. In Walkringen im letzten Jahr, dem 38.Eidgenössischen Hornusserfest, nahmen 250 Mannschaften teil, 5000 Spieler und Spielerinnen. In Walkringen im letzten Jahr war Hans Hofmann auch dabei. Die Bilder der Ausstellung und im Buch entstanden zwischen 2017 und April 2029. Entstanden ist daraus die erste fotografische Dokumentation in dieser Breite über das Hornussen als moderne Sportart. Sie vermittelt ein Stück Schweizer Alltag, das wir, die Nicht-Hornusser, noch nie so gesehen haben, so jenseits aller Klischees, und Sie, die Spieler und Spielerinnen vielleicht noch nie in dieser Unmittelbarkeit und Dynamik. Gut, ist Hans Hofmann mit dem Zug nach Solothurn gefahren. Gut, ist er so hartnäckig geblieben. Das musst du zuerst einmal machen: Gerade erst 70 geworden und schon so ein Ding hinlegen. Kompliment.

Bernhard Giger